Paku-Paku

24. Januar 2021 @ 11:51

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Seit mehr als zwei Jahren bereite ich eine neue Serie vor, die eine Transformation meiner Werkmaterialien Asche, Kohle, Ruß und Rauch in der Malerei beinhaltet.

Dabei bin ich auf das Popkultur-Icon „Pac-Man“ gestoßen – einen „unersättlichen gelben Kreis“ aus einem der ersten Computer- und Videospiele der 1980er-Jahre. Der Name leitet sich von „paku paku“ ab, einem Begriff aus der japanischen Lautsprache, der „wiederholt den Mund öffnen und schließen“ bedeutet.

Nicht zu vergessen sind auch Pac-Man’s GegenspielerInnen Blinky, Pinky, Inky und Clyde: vier Geister mit großen runden Augen, die mit dem Ziel der gegenseitigen Eliminierung und der Jagd nach Punkten durch das Arcade-Labyrinth jagen. Pac-Man frisst die Geister oder umgekehrt; es geht somit um fressen oder gefressen werden. 

Dementsprechend denke ich bei Pac-Man an Systeme, an künstliche Gebilde wie die freie Marktwirtschaft, an das alles verschlingende Kapital, an Marc Fisher und Jacques Derrida, deren Kulturdiagnose der „Hauntology“, dem Geisterhaften, der Frage nach dem Exit aus dem Loop.

Vieles dockt damit auf theoretischer Ebene an meine Serien „Fantôme Exceptionnel“ (Fumage mit Collage, 2017–2020), „Complementary Affairs“ (marmorierter Karton mit transparentem Millimeterpapier, 2017–2019) und auch an „Ashes to Ashes“ (Malerei 2011–2017) an.

Technisch gesehen greife ich auf die Medien Eitempera und Öl auf großformatigen Leinwänden von 150x100cm, 180x120cm, 240x140cm zurück, denn auch die Geister und „Paku-Pakus“ sind gesellschaftlich groß und dominant geworden. Partiell gesetzte Neonfarben unterstreichen dabei ihre künstliche Beschaffenheit. Das farbige Pigment ist generell in meine Malerei zurückgekehrt.

Die neue Werkserie wird Ende 2021 online gestellt werden.